Diabetes-News
Zucker aus rotem Fleisch hängt mit einem um 63 Prozent höheren Diabetes-Risiko zusammen
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Eine vorläufige Auswertung der französischen NutriNet-Santé-Studie untersucht Neu5Gc, einen Zucker, der vor allem in Rind- und Lammfleisch vorkommt. Die Daten von 89.953 Erwachsenen wurden über im Schnitt 7,2 Jahre verfolgt, zu Studienbeginn hatte niemand Typ-2-Diabetes oder Krebs. In dieser Zeit traten 966 neue Typ-2-Diabetes-Fälle auf. Teilnehmende mit der höchsten Aufnahme von Neu5Gc aus Fleisch hatten ein um 63 Prozent höheres Risiko als jene mit der niedrigsten, in der zweithöchsten Gruppe lag es um 41 Prozent höher. Die Zusammenhänge blieben nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Bewegung, Gesamternährung, Rauchen und Vorerkrankungen bestehen und wurden mit dem Body-Mass-Index schwächer, aber nicht null. Die Autorinnen und Autoren vermuten als Ursache eine dauerhafte Immunreaktion gegen den körpereigenen Einbau des Zuckers, die chronische Entzündungen auslösen könnte. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand vorgestellt, eine Beobachtungsstudie kann allein jedoch keine Ursache belegen.
Sanofi beginnt in Frankfurt-Höchst den Bau einer Insulinfabrik für rund zwei Milliarden Euro
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Der Pharmakonzern Sanofi hat im Industriepark Höchst in Frankfurt am Main mit dem Bau einer neuen Insulinanlage begonnen, die eine bestehende Anlage ersetzen soll. Die Investition liegt bei rund zwei Milliarden Euro, die Fläche beträgt 36.000 Quadratmeter, und die Inbetriebnahme ist für 2032 geplant. Nach früheren Angaben sollen dort zunächst mindestens 1,1 Tonnen Insulin pro Jahr hergestellt werden, außerdem muss Sanofi eine Tonne pharmazeutischer Wirkstoffe bevorraten und bei einem Engpass vorrangig die europäischen Märkte beliefern. Die EU-Kommission hat staatliche Beihilfen von 400 Millionen Euro von Bund, Land Hessen und Stadt Frankfurt genehmigt. Nach EU-Angaben würde Sanofi ohne diese Beihilfen den deutschen Standort schließen, er ist die einzige Humaninsulin-Produktion im Europäischen Wirtschaftsraum. Mehr als 4.000 der 6.500 Arbeitsplätze am Standort hängen an der Insulinproduktion, von dort werden nach Unternehmensangaben rund 15 Millionen Patientinnen und Patienten in etwa 80 Ländern versorgt.
Medizin & Forschung allgemein
Bei älteren Menschen mit frühen Alzheimer-Anzeichen ging mehr Bewegung mit weniger Tau-Ablagerungen einher
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Eine Studie hat fast 300 ältere Menschen mit frühen Hirnzeichen einer Alzheimer-Erkrankung neun bis elf Jahre lang mit Schrittzählern begleitet. Körperliche Aktivität verringerte nicht die Amyloid-Plaques, auf die die meisten derzeitigen Behandlungen zielen. Bei Menschen mit solchen Plaques verlangsamte sie jedoch die Ansammlung falsch gefalteter Tau-Proteine in bestimmten Hirnregionen, die später auftreten und enger mit kognitivem Abbau zusammenhängen. Die Anzeichen einer Demenz waren bei den aktiveren Teilnehmenden um fast die Hälfte geringer. Ein Effekt zeigte sich schon bei etwa 3.000 Schritten am Tag, ungefähr einer halben Stunde zügigen Gehens, und er flachte bei 5.000 bis 7.500 Schritten ab. Die Forschenden nennen die Einschränkungen: Die Gruppe war klein, überwiegend weiß, gut gebildet und lebte in den USA, andere Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren wurden nicht berücksichtigt. Der Zusammenhang kann auch umgekehrt verlaufen, weil frühe Symptome wie Schwerhörigkeit die Bewegung verringern können.
Bundestag debattiert Anträge zur Pflege, die Opposition hält die Pflegereform für unzureichend
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Ende September wurde eine kleine Pflegereform verabschiedet, Mitte der Vorwoche beschloss der Bundestag außerdem eine Pflegestrukturkommission. Im Bundestag wurden danach Anträge von Linken, Grünen und AfD debattiert, Hauptthemen waren die Finanzierung, geplante Leistungskürzungen sowie Prävention und Digitalisierung. Die Linke forderte einen umfassenden Umbau der Sozialen Pflegeversicherung und kritisierte die steigenden Eigenanteile, ihr Antrag „Keine Leistungskürzungen in der Pflege“ wurde abgelehnt. Die Grünen verlangten ein Bundes-Pflegepräventionsgesetz mit Zielwerten bis 2035, begrenzte Eigenanteile und eine Pflege-Bürgerversicherung, ihr Antrag wurde an den Gesundheitsausschuss überwiesen. Der Unionsabgeordnete Axel Müller lehnte eine Vollkaskoversicherung als Systembruch ab, die SPD-Abgeordnete Claudia Moll betonte, dass die Finanzierung ungeklärt sei. Die Grünen kritisierten, dass bei der Verhinderungspflege gekürzt werden solle, Gesundheitsminister Linnemann habe richtigerweise die geplante Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige zurückgenommen.
Krankenhauspilz Candidozyma auris umgeht Medikamente durch Vervielfachung des Erbguts und das Gen CRZ1
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: tagesspiegel.de
Ein Forschungsteam der Universität Exeter hat in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ beschrieben, wie der Krankenhauspilz Candidozyma auris, früher Candida auris genannt, Echinocandin-Medikamenten entkommt. Ausgelöst wird das durch ein Gen namens CRZ1, das mit dem Aufbau der Zellwand zusammenhängt. Unter Medikamentendruck bildete der Pilz zusätzliche Kopien seines gesamten Genoms, wodurch Mutationen wie die im CRZ1-Gen wahrscheinlicher wurden. Die Forschenden hatten zwei schwer kranke Patienten untersucht, bei denen die Behandlung nicht anschlug, und fanden dort keine Veränderungen in den bisher bekannten Genen FKS1 und FKS2. Ein zufällig zu lang kultivierter Versuchsansatz zeigte, dass schnell wachsende Zellen deutlich mehr Mutationen im CRZ1-Gen trugen. Die Autorinnen und Autoren deuten an, dass sich Resistenz stufenweise entwickeln kann, und wollen nun kombinierte Antimykotika testen. Gelangt der Erreger in den Blutkreislauf geschwächter Patienten, liegt die Sterblichkeit nach Angaben der Forschenden bei 45 Prozent. In Deutschland gibt es laut Oliver Kurzai von der Universität Würzburg etwa 100 Erstnachweise pro Jahr, Echinocandin-Resistenzen treten dort laut ihm bei weniger als fünf Prozent der Stämme auf. In Deutschland gibt es inzwischen eine Meldepflicht für Nachweise.
Die S3-Leitlinie zum Kaiserschnitt ist in überarbeiteter Fassung erschienen
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat zusammen mit ihren Partnergesellschaften aus Österreich und der Schweiz die S3-Leitlinie „Sectio caesarea“ aktualisiert. Die erste Fassung war im Sommer 2020 vorgestellt worden. Die Arbeitsgruppe hat alle Hintergrundtexte und Empfehlungen überprüft und überarbeitet. Neu aufgenommen wurde ein Kapitel zum Placenta-accreta-Spektrum, bei dem die Plazenta zu tief oder fest in der Gebärmutterwand verwachsen ist und sich nach der Geburt nicht normal löst. Ausführlich behandelt werden außerdem die Nahttechnik zur Vermeidung von Narbendefekten, für die die Studienlage laut Leitlinie noch keine abschließende Bewertung erlaubt, sowie die Beratung von Schwangeren vor einem ersten Kaiserschnitt. Im deutschsprachigen Raum kommt laut Leitlinie derzeit etwa jedes dritte Kind per Sectio zur Welt, der Eingriff zählt damit zu den häufigsten operativen Eingriffen überhaupt.
Nobelpreis für Medizin 2026 geht an Deisseroth, Hegemann und Nagel für die Steuerung von Nervenzellen mit Licht
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Karl Deisseroth von der Stanford University sowie Peter Hegemann (Humboldt-Universität zu Berlin) und Georg Nagel (Universität Würzburg) erhalten den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für lichtgesteuerte Ionenkanäle und Optogenetik. Hegemann und Nagel untersuchten zunächst, wie die einzellige Grünalge Chlamydomonas Licht wahrnimmt. Sie entdeckten, dass das Protein Channelrhodopsin beim Lichteinfall seine Form ändert, einen Kanal in der Zellmembran öffnet und positiv geladene Teilchen wie Natrium einströmen lässt. Die Forschenden erkannten, dass sich dieses Protein in Nervenzellen einbringen lässt, um sie mit Licht ein- und auszuschalten. Heute wird Optogenetik als Forschungswerkzeug genutzt, um Nervenzellgruppen gezielt zu aktivieren und Wirkungen zu beobachten, etwa bei Gedächtnis oder Bewegung. In einem Versuch des Massachusetts Institute of Technology von 2012 riefen Forschende mit Licht eine Angsterinnerung bei Mäusen ab. Erste klinische Studien laufen bei Menschen mit Netzhautdegeneration, Forschende prüfen zudem Einsatzmöglichkeiten bei Parkinson und Epilepsie.
Schätzungen: In Deutschland gibt es jährlich einige Hundert schwere Pilzvergiftungen
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: tagesspiegel.de
Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, nach der es in den vergangenen zehn Jahren jährlich etwa 280 bis 680 stationäre Behandlungen wegen Pilzvergiftungen gab. Todesfälle mit dieser Diagnose traten pro Jahr zwischen null und sieben auf. Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen zählte in den Jahren 2022 bis 2025 jeweils 10 bis 24 schwere Fälle und bis zu zwei Todesfälle. Hochgerechnet auf Deutschland ergeben sich nach Angaben des Bundesinstituts 70 bis knapp 170 schwere Fälle pro Jahr, die bei den Giftinformationszentren beraten werden, und bis zu 14 Todesfälle. Die Zahlen schwanken jährlich stark, in Pilzjahren mit gutem Wachstum steigt das Risiko, und es gibt eine Dunkelziffer. Ein zentrales Vergiftungsregister ist im Aufbau. Yuri Bruinen de Bruin, Leiter des Nationalen Vergiftungsregisters, nennt den Wiesenchampignon und den Frauentäubling als beliebte Speisepilze, die mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz verwechselt werden. Kinder und ältere Menschen sind nach Angaben der Behörde besonders gefährdet, zu den Symptomen zählen Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen.
Alzheimer: Schlafstörungen gehen offenbar von Immunzellen des Gehirns aus, nicht nur von Plaques
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende der University of Kentucky haben untersucht, warum die Alzheimer-Krankheit den Schlaf stört. In Versuchen mit Mäusen mit alzheimerähnlichen Veränderungen im Gehirn stellten sie pro Tag mehr als zwei Stunden Schlaf wieder her, ohne die Amyloid-Plaques zu entfernen. Als Ursache nennen sie die Mikroglia, die Immunzellen des Gehirns: Reagieren sie auf die Plaques, lösen sie nach ihren Angaben eine Entzündungsreaktion aus, die das Gehirn wach hält. Als die Forschenden die meisten dieser Immunzellen vorübergehend ausschalteten, schliefen die Tiere länger und verbrachten mehr Zeit im Tiefschlaf. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia; Shannon Macauley nannte den Befund „paradigmenwechselnd“. Die Ergebnisse stammen aus Tierversuchen, ob sie sich auf Menschen übertragen lassen, ist offen.
Fettleber besteht offenbar aus fünf verschiedenen Krankheitsformen
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende der Mayo Clinic und der Virginia Tech haben die Fettlebererkrankung MASLD, von der nach ihren Angaben fast 30 Prozent der Erwachsenen weltweit betroffen sind, in fünf biologisch unterscheidbare Formen eingeteilt. Grundlage waren genetische Sequenzierungsdaten und Krankenakten von mehr als 4.600 Patientinnen und Patienten, die mit computergestützten Modellen ausgewertet wurden. Einige Formen hängen eng mit Übergewicht und Diabetes zusammen, andere werden durch vererbte genetische Unterschiede bestimmt. Die genetisch bedingten Formen sind laut Studie häufiger mit einem Fortschreiten zu schweren Leberschäden verbunden, auch bei Menschen ohne typische metabolische Risikofaktoren. Die Studie erschien in Nature Communications; die Daten stammen unter anderem aus der Tapestry-Studie mit mehr als 100.000 Teilnehmenden.
Colitis ulcerosa: Wirkstoff Obefazimod erzielt in Phase-3-Studie anhaltende Remissionen
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Der orale Wirkstoff Obefazimod hat bei Menschen mit Colitis ulcerosa in einer Phase-3-Studie anhaltende Remissionen erreicht. Er soll die Bildung von microRNA-124 steigern und so das Gleichgewicht des Immunsystems in der Darmschleimhaut wiederherstellen. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf der UEG-Week in Barcelona vom 17. bis 20. Oktober. Der Hersteller will noch in diesem Jahr Zulassungsanträge in den USA und in Europa stellen.
Antibiotika in der Kindheit könnten das Risiko für ein Reizdarmsyndrom im frühen Erwachsenenalter erhöhen
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Eine bevölkerungsbasierte Studie aus Schweden deutet darauf hin, dass Antibiotika-Verordnungen in jungen Jahren die Anfälligkeit für ein Reizdarmsyndrom im frühen Erwachsenenalter erhöhen könnten. Die Ergebnisse wurden auf der UEG-Week in Barcelona vorgestellt (Abstract OP131). Etwa jeder zehnte Erwachsene leidet unter anhaltenden oder wiederkehrenden Darmbeschwerden mit Bauchschmerzen und Blähungen, deren Ursachen unbekannt sind. Die Erkrankung beginnt in der Regel im frühen Erwachsenenalter und schwächt sich im Lebensverlauf häufig ab.
Drei Nervenbahnen hängen mit dauerhafter Besserung bei tiefer Hirnstimulation gegen schwere Depression zusammen
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende an der Mount Sinai haben drei Verbindungen im Gehirn benannt, die mit langfristiger Besserung bei Patienten zusammenhängen, denen bei schwerer Depression eine tiefe Hirnstimulation (DBS) implantiert wurde, die auf übliche Behandlungen nicht angesprochen hatte. Die Studie erschien am 1. Oktober im American Journal of Psychiatry und wertete nach Angaben der Forschenden die bisher größte Gruppe von Patienten aus mehreren unabhängigen Kohorten aus. Dauerhafte Verbesserungen traten konsistent dann auf, wenn der elektrische Reiz drei bestimmte Bahnen der weißen Substanz erreichte: das Cingulum-Bündel, die Forceps minor sowie die mediale Uncinatus-Bahn beziehungsweise die ventrale Amygdalofugal-Bahn. Bei Patienten, die nach zwei Jahren nicht angesprochen hatten, fehlte die Stimulation des linken Cingulum-Bündels. Die Forschenden haben nicht untersucht, ob eine Verlagerung der Elektroden diesen Patienten helfen würde. Die Ergebnisse stützen die Platzierung der Elektroden anhand von Konnektivitätskarten des Gehirns statt allein anhand anatomischer Orientierungspunkte; diese Strategie prägt bereits die randomisierte Abbott-TRANSCEND-Studie. Helen Mayberg, Professorin für Neurotherapeutik an der Mount Sinai, sagte: „Diese Studie unterstreicht, wie wichtig eine individualisierte chirurgische Zielsetzung ist, um mit tiefer Hirnstimulation bei Depression optimale Ergebnisse zu erzielen.“
Ärzte ohne Grenzen behandelt deutlich mehr mangelernährte Kinder
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) behandelt in ihren Projekten immer mehr Menschen mit Mangelernährung, vor allem Kinder. In Somalia hat sich die Zahl der behandelten Kinder mit akuter Mangelernährung von Januar bis August 2026 mehr als verdoppelt. Auch in Jemen und Afghanistan versorgte die Organisation mehr mangelernährte Kinder als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Entwicklung zeigt sich in Ländern mit militärischen Konflikten, Vertreibung oder eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung. Frauke Ossig, die die Programme in Somalia, Tschad und Sudan verantwortet, sagte, die Krise beginne lange vor der Klinik, wenn Dürre, Flut oder Konflikt Menschen vertreiben und ihre Lebensgrundlage zerstören. MSF kritisiert den Sparkurs westlicher Staaten; auch Deutschland kürze bei dringend benötigter internationaler Hilfe. Die Folge sei, dass Kinder häufiger mangelernährt und schwerer krank in Gesundheitszentren ankämen.
39 Süßstoffe im Labortest: Etwa drei Viertel verändern das Wachstum von Darmbakterien
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende der University of Cambridge haben 39 handelsübliche Süßstoffe in Laborversuchen mit 25 Darmbakterienarten getestet. Rund drei von vier Süßstoffen veränderten das Wachstum mindestens einer Bakterienart; manche verlangsamten es, andere stoppten es ganz. Betroffen waren auch Arten, die mit einem gesunden Verdauungssystem in Verbindung gebracht werden. Besonders auffällig war die Kombination des Süßstoffs Isosteviol mit dem Antidepressivum Duloxetin: Sie unterdrückte zwei wichtige Darmbakterien stark, die an der Verdauung und der Regulation des Blutzuckers beteiligt sind, und verschob das Gleichgewicht in einem simulierten Darmmikrobiom. Die in Molecular Systems Biology veröffentlichte Studie deutet laut den Autoren auch auf mögliche Folgen für Entzündungen und Immunreaktionen hin. Die Forschenden betonen, dass die Experimente im Labor und nicht am Menschen stattfanden; ob die Effekte im Alltag gesundheitliche Folgen haben, ist offen. Dr. Sonja Blasche von der MRC Toxicology Unit, eine der Leitautorinnen, sagte, Süßstoffe würden selten allein verzehrt, sondern in Getränken, Snacks oder sogar Medikamenten, die Bitterkeit überdecken sollen.
Lieferengpass bei Reiseimpfstoff Vimkunya: Verfügbar sind nur fremdsprachig beschriftete Packungen
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) meldet einen Lieferengpass für den Chikungunya-Impfstoff Vimkunya, der Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren schützen soll. Verfügbar sind allerdings Packungen mit französischer sowie schwedischer/finnischer Beschriftung. Laut PEI sind diese pharmazeutisch identisch mit dem deutschsprachig gekennzeichneten Produkt und unterscheiden sich nur in den Packmitteln. Die beiliegende Packungsbeilage ist deutschsprachig und mit einem Band an der Verpackung befestigt; das PEI stellt sie außerdem zum Download bereit, ebenso die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Vimkunya ist ein Impfstoff auf Basis virusähnlicher Partikel, der laut Robert-Koch-Institut kein virales Erbgut enthält und sich nicht vermehren kann. In Deutschland ist außerdem der Lebendimpfstoff Ixchiq zugelassen, der derzeit nur bis zu einem Alter von 59 Jahren angewendet werden soll, weil nach der Zulassung bei Menschen über 60 vermehrt schwerwiegende Ereignisse aufgetreten waren.
EU verschärft Grenzwerte für krebsauslösende Stoffe am Arbeitsplatz, darunter Kobalt
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die EU-Staaten haben strengere Grenzwerte für mehrere Stoffe endgültig gebilligt, die Krebs oder Asthma auslösen können. Die Substanzen stecken unter anderem in Batterien für Elektrofahrzeuge oder entstehen bei der Stahlproduktion. Die neuen Regeln sollen in den kommenden 40 Jahren rund 1.700 Lungenkrebsfälle und 19.000 andere Erkrankungen verhindern. Für Kobalt und seine anorganischen Verbindungen gelten künftig zwei Werte: 0,01 Milligramm pro Kubikmeter für eingeatmete Partikel und 0,0025 Milligramm pro Kubikmeter für feinere Partikel, die tiefer in die Lunge gelangen. Neu sind außerdem Langzeitgrenzwerte für Isopren, das als krebsfördernd gilt, sowie die Einstufung von Schweißrauch als potenziell gesundheitsschädlich. Laut EU-Kommission sind in der EU 113.000 Beschäftigte dem Metall Kobalt und seinen Verbindungen ausgesetzt. Die Industrie hat sechs Jahre Zeit zur Anpassung, in dieser Übergangszeit gelten höhere Grenzwerte. Nach Inkrafttreten der Richtlinie im Amtsblatt haben die EU-Staaten zwei Jahre Zeit, die Regeln in nationales Recht umzusetzen.
Vogelgrippe A(H5): STIKO empfiehlt erstmals Grundimmunisierung für Laborpersonal und Tierseuchen-Beschäftigte
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt erstmals eine Grundimmunisierung gegen zoonotische Influenza A(H5) für Laborpersonal, das gezielte Tätigkeiten mit diesen Viren ausführt, und für Beschäftigte in der Tierseuchen- und Ausbruchsbekämpfung. Die Empfehlung steht im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI). Wann sie umgesetzt werden kann, ist offen: Zugelassene Impfstoffe gibt es in der EU, in Deutschland sind sie derzeit aber nicht regulär verfügbar. Das RKI nennt keinen belastbaren Zeitpunkt. Zwei Dosen im Abstand von drei Wochen sind vorgesehen, die Umsetzung soll primär über betriebsärztliche Dienste erfolgen. Laut STIKO zeigen die verfügbaren Daten hohe Serokonversions- und Seroprotektionsraten, klinische Wirksamkeitsdaten fehlen wegen der geringen Zahl menschlicher Infektionen jedoch. Bei Menschen in Deutschland und der EU wurden bisher keine Infektionen mit A(H5) nachgewiesen, eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht belegt.
Unionsfraktionschef Frei will Änderungen an der geplanten Zuckersteuer
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Unionsfraktionschef Thorsten Frei dringt auf Nachbesserungen am Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums zur geplanten Steuer auf gezuckerte Getränke. Er fordert Übergangsfristen, damit Hersteller ihre Rezepturen umstellen können, andernfalls drohten Preiserhöhungen und Wettbewerbsnachteile. Der CSU-Abgeordnete Alexander Hoffmann verlangt einen späteren Start, Anfang 2028 statt Juli 2027. Besteuert werden sollen Getränke mit mindestens fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, etwa Limonaden, Eistees und Energydrinks. Alkoholische Getränke, Säfte, ungesüßte Schorlen und Getränke mit Süßungsmitteln bleiben ausgenommen, Betriebe mit höchstens einer Million Liter Jahresproduktion sollen befreit werden. Der Bund rechnet laut Entwurf mit 690 Millionen Euro im nächsten Jahr und 925 Millionen Euro für 2028, das Geld soll die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung stabil halten.
SPD-Fraktion legt Konzept zur Primärversorgung vor: Facharzttermine binnen drei Wochen
📅 2026-10-19 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die SPD-Bundestagsfraktion hat in der vergangenen Woche ein eigenes Konzept zur künftigen Primärversorgung vorgelegt. Die primärversorgende Praxis soll als zentrale Koordinationsstelle in einem multiprofessionellen Netzwerk arbeiten, mehr Gesundheitsberufe sollen klarer gesetzlich definierte Kompetenzen erhalten. Ein Facharzttermin soll grundsätzlich innerhalb von drei Wochen in zumutbarer Entfernung vermittelt werden, bei medizinischer Dringlichkeit deutlich schneller. Eine digitale Ersteinschätzung soll als gleichwertiger Zugangsweg gelten, Grundlage sollen Algorithmen sein, die Krankenkassen und Ärzteschaft gemeinsam entwickeln. Direktzugang zur Fachärztin bleibt laut Papier bei Gynäkologie, Augenheilkunde und Psychotherapie erhalten. Eine Praxisgebühr lehnt die Fraktion ab. Das Gesundheitsministerium hatte zuletzt angekündigt, einen ersten Gesetzentwurf im November vorzustellen.