Das Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße in Charlottenburg hat nach der längsten Zwangspause seiner Geschichte wieder geöffnet. Die Sanierung der denkmalgeschützten Gründerzeitvilla dauerte 27 Monate statt der ursprünglich geplanten 18 und kostete rund sechs Millionen Euro. Die Wiedereröffnung fällt mit einem Jubiläum zusammen: Das Haus wurde 1986 als erstes Literaturhaus Deutschlands gegründet und wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Zu den aufwendigsten Arbeiten gehörte der Einbau eines barrierefreien Aufzugs in einem verglasten Atrium im Innenhof, eine heikle Aufgabe unter den Auflagen des Denkmalschutzes. Ganz still war es in der Bauzeit trotzdem nicht: Das Literaturhaus veranstaltete in dieser Zeit mehr als 200 Veranstaltungen an rund 80 Orten in der Stadt und erreichte damit etwa 15.000 Besucherinnen und Besucher, ausdrücklich mit dem Ziel, neue und vor allem jüngere Zielgruppen zu gewinnen.
Gauklerfest auf der Zitadelle Spandau: Wer in Rüstung kommt, zahlt nichts
Am 3. und 4. Oktober findet auf der Zitadelle Spandau zum achten Mal das Gauklerfest statt. Geboten werden Akrobatik, Mittelalter-Atmosphäre und Live-Musik, als Höhepunkte gelten die Feuershow und der Auftritt der Mittelalter-Band Corvus Corax. Wer in voller Ritterrüstung erscheint, hat freien Eintritt.
Verkehr & Infrastruktur
36 Jahre nach der Einheit fehlen Berlin noch sieben S-Bahn-Strecken
Zur deutschen Einheit hatte der Bund zugesagt, das Berliner Eisenbahnnetz wieder auf den Stand von 1961 zu bringen, also auf das Netz vor dem Mauerbau. 36 Jahre später fehlen nach einer Bilanz des Tagesspiegels noch immer sieben Strecken. Der Beitrag zeichnet nach, welche Verbindungen bis heute nicht wiederhergestellt sind und was aus der Infrastruktur-Zusage der Wiedervereinigung geworden ist.
Wirtschaft
Galeria zum vierten Mal insolvent: Alexanderplatz bereitet sich auf Plan B vor
Die Warenhauskette Galeria hat erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, es ist bereits die vierte Insolvenz des Unternehmens. Sie trifft Berlin mitten in einer laufenden Diskussion über die Schließung weiterer Filialen. In der Stadt gibt es noch sechs Galeria-Häuser, vier davon gelten als von Schließung bedroht. Besonders alarmiert ist man am Alexanderplatz: Der Eigentümer des dortigen Kaufhauses bereitet sich nach Angaben des Tagesspiegels bereits auf eine Alternative zum Warenhausbetrieb vor. Vorerst soll der Geschäftsbetrieb in allen 83 Galeria-Filialen bundesweit weiterlaufen, weitere Details zum Verfahren sind noch nicht bekannt. In der Branche gilt die erneute Pleite als weiteres Zeichen für die strukturellen Probleme des klassischen Kaufhauskonzepts.
Stadtentwicklung & Wohnen
Hochhaus-Quartier am Bahnhof Zoo: Berlin und Investor unterzeichnen Rahmenvertrag für die Hertzallee
Direkt am Bahnhof Zoo in der City West soll eines der markantesten neuen Hochhausquartiere Berlins entstehen. Geplant sind vier Türme mit Höhen zwischen 75 und 110 Metern und zusammen rund 150.000 Quadratmetern Geschossfläche für Büros, Gewerbe, Hochschulnutzungen und Wohnungen. Das Land Berlin und der Grundstückseigentümer haben dafür jetzt einen städtebaulichen Rahmenvertrag unterzeichnet, der Bewegung in die seit Langem diskutierte Planung bringt. Vor einem Baustart muss allerdings noch ein zentrales Problem gelöst werden: Im Plangebiet liegt derzeit eine Betriebsendhaltestelle der BVG, die in eine eingehauste, elektrifizierte Halle umziehen muss.
Museum Berggruen: Sanierung reicht inzwischen bis zur Kuppel
Das Museum Berggruen gegenüber dem Schloss Charlottenburg ist seit seiner Schließung im September 2022 hinter Gerüsten verschwunden, aktuelle Bilder zeigen, dass die Arbeiten inzwischen bis zum markanten Kuppelaufbau reichen. Der Bau von Friedrich August Stüler aus den Jahren 1851 bis 1859 wird teilweise bis auf die Rohstruktur zurückgebaut. Erneuert werden Dach und Fassade, der Keller wird abgedichtet, die gesamte Haustechnik wird ausgetauscht, zudem sind Solarmodule auf dem Dach geplant. Die Werke der Sammlung Berggruen, darunter Arbeiten von Picasso, Matisse und Klee, sind währenddessen auf internationaler Tournee. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte 2026 als Ziel für die Wiedereröffnung genannt, der Zeitplan gilt jedoch als unsicher.
Bücherregale im Kaufhaus: Eigentümerin wirbt für ZLB-Umzug an den Alexanderplatz
Im Galeria-Gebäude am Alexanderplatz sind plötzlich Bücherregale und Lesebereiche zu sehen: Die Eigentümerin Commerz Real wirbt mit einem großen Wandbild für den Einzug der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Die Bibliothek soll dort ihre beiden bisherigen Standorte, die Amerika-Gedenkbibliothek und die Berliner Stadtbibliothek, zusammenführen. Vorgesehen sind rund 28.133 Quadratmeter für die Bibliothek, im übrigen Gebäude sollen Einzelhandel und Gastronomie bleiben. Über die entscheidenden Konditionen, Miete und Umbaukosten, wird allerdings erst im Oktober verhandelt.
Aus Galeries Lafayette wird Lumina: Jean Nouvels Glasbau bekommt neue Fassade
An der Friedrichstraße wird das ehemalige Kaufhaus Galeries Lafayette zum gemischt genutzten Gebäude Lumina umgebaut. Die Arbeiten sind inzwischen von außen deutlich zu erkennen, die ikonische Glasfassade des Architekten Jean Nouvel wurde neu gestaltet. Eigentümerin Commerz Real wirbt mit Visualisierungen für eine Mischung aus Büros, Gastronomie, Einzelhandel und Wohnungen.
Studentenwohnreport 2026: Berlin ist die zweitteuerste Uni-Stadt Deutschlands
Eine 30 Quadratmeter große Studentenwohnung kostet in Berlin inzwischen durchschnittlich 725 Euro warm. Damit ist Berlin laut Studentenwohnreport 2026 die zweitteuerste Universitätsstadt Deutschlands, nur eine Stadt liegt noch darüber. Die Wohnkostenpauschale des BAföG deckt nicht einmal die Hälfte dieser Miete ab, für viele, die zum Studium nach Berlin ziehen, wird die Wohnungssuche damit zur finanziellen Hürde.
HOWOGE vermietet 388 Neubauwohnungen im Osten, jede zweite gefördert
Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE hat die Vermietung von 388 neuen Mietwohnungen in drei Neubauprojekten im Osten Berlins gestartet: 167 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf, 173 in Lichtenberg und 48 in Treptow-Köpenick. Rund 195 Wohnungen, also etwa die Hälfte, sind öffentlich gefördert und Haushalten mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten. Die Gebäude setzen auf Wärmepumpen, Photovoltaik und den Effizienzhaus-40-Standard, das Projekt in Köpenick ist in modularer Holz-Hybrid-Bauweise entstanden.
Vom Parkplatz zum Wohnquartier: WBM-Neubau an der Köpenicker Straße bezogen
Nach rund elf Jahren von der Planung bis zur Fertigstellung ist der Neubau der landeseigenen WBM an der Köpenicker Straße in Mitte bezogen. Auf dem früheren Parkplatz sind 102 Mietwohnungen entstanden, davon 40 gefördert und 58 barrierefrei, dazu mehr als 8.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Das Ensemble besteht aus einem zwölfgeschossigen Hochhaus an der Michaelkirchstraße und einem dreigeschossigen Bau an der Köpenicker Straße. Der Ort hat Geschichte: Hier stand einst die Flugzeugfabrik von Otto Lilienthal.
In Lichtenberg hat der Verein Straßenkinder e.V. die Butze eröffnet, ein Haus für obdach- und wohnungslose Kinder und Jugendliche mit 41 Wohn- und Schlafplätzen. Unter einem Dach bündelt es Unterbringung, warme Mahlzeiten, Wasch- und Duschmöglichkeiten, eine Kleiderkammer, Sozial- und Rechtsberatung sowie Werkstätten und Schulungsräume zur Berufsvorbereitung. Der Bau kostete rund 23 Millionen Euro, für den laufenden Betrieb werden etwa 3,2 Millionen Euro im Jahr veranschlagt. Der Verein rechnet mit 10.000 bis 15.000 Übernachtungen jährlich und will rund 1.000 junge Menschen begleiten.
Sicherheit & Justiz
Regenbogenbank im Tiergarten zum vierten Mal beschädigt
Die Regenbogenbank im Großen Tiergarten ist erneut beschädigt worden, diesmal wurde sie mit schwarzer Farbe besprüht. Es ist bereits der vierte Angriff auf die Bank innerhalb weniger Wochen. Sie war im August zum Gedenken an die Opfer des islamistischen Terroranschlags auf den Berliner CSD aufgestellt worden. Die Polizei Berlin ermittelt.