Mistral AI hat Mistral Large 4 (Beiname „Le Chonk“) als öffentliche Vorschauversion veröffentlicht. Es ist ein granulares Mixture-of-Experts-Modell mit 1,05 Billionen Parametern, von denen pro Token 49 Milliarden aktiv sind. Das nativ multimodale Modell wurde von Grund auf auf 3.800 NVIDIA-Grace-Blackwell-GPUs in europäischen Rechenzentren trainiert und bietet ein Kontextfenster von einer Million Token. Die API steht ab sofort bereit und kostet 1,36 Dollar pro einer Million Input-Token und 4,18 Dollar pro einer Million Output-Token, die Modellgewichte sollen Ende Oktober folgen. Im Intelligence Index von Artificial Analysis erreicht Mistral Large 4 38 Punkte und liegt damit deutlich vor seinem Vorgänger mit 9 Punkten, bleibt aber hinter Claude Opus 5.5 mit 58 Punkten zurück. Herausragend sind die Ergebnisse in der Cybersicherheit: 93 Prozent auf Cybench und 82 Prozent auf CyberGym-E2E, also in Bereichen, in denen Claude und GPT-6 Anfragen aus Sicherheitsgründen ablehnen.
Google EmbeddingGemma 2: Multimodales Embedding-Modell mit 740 Millionen Parametern
Google DeepMind hat EmbeddingGemma 2 veröffentlicht, ein offenes Embedding-Modell mit 740 Millionen Parametern auf Basis der Gemma-4-Architektur. Es bildet Text, Code, Bilder, Video und Audio nativ in einem gemeinsamen Embedding-Raum ab. Der Vorgänger kam auf über 20 Millionen Downloads, das neue Modell erscheint unter der kommerziell freizügigen Apache-2.0-Lizenz. Nach Googles Angaben übertrifft es Konkurrenzmodelle, darunter teils doppelt so große Systeme. Es ist für den Betrieb direkt auf dem Gerät ausgelegt und ermöglicht lokale Suche sowie datenschutzfreundliche RAG-Pipelines.
Google schränkt kostenlosen Zugriff auf Gemini-Modelle ab 9. Oktober ein
Google beschränkt ab dem 9. Oktober den kostenlosen Zugriff auf Gemini deutlich. Kostenlose Nutzer erhalten dann nur noch das Modell Flash Lite, die Standardversion Gemini Flash setzt künftig das Abonnement Google AI Plus für 4,99 Dollar im Monat voraus. Die Änderung trifft auch bestehende Kunden: Wer heute Google AI Plus nutzt, verliert nach der Umstellung den Zugriff auf Gemini Pro, der Nutzern von Google AI Pro (19,99 Dollar) oder Ultra (99,99 Dollar) pro Monat vorbehalten bleibt. Der neue Modus für fortgeschrittenes Schlussfolgern, Deep Think, wird ebenfalls auf diese Premium-Stufen beschränkt.
Deepseek erhöht Finanzierungsrunde auf bis zu 15 Milliarden Dollar
Das chinesische KI-Startup Deepseek plant laut Bloomberg eine Finanzierungsrunde über mindestens 12 Milliarden Dollar, möglicherweise sogar bis zu 15 Milliarden Dollar und damit deutlich mehr als ursprünglich vorgesehen. Hauptinvestoren sind CATL und Tencent. Das gestiegene Investoreninteresse wird auf das Modell V4-Flash zurückgeführt, das bei Kosten und Leistung neue Maßstäbe gegenüber Anthropic und OpenAI gesetzt haben soll. Nach der Runde peilt Deepseek einen Börsengang Anfang 2027 an. Außerdem ist ein Rechenzentrum mit mindestens 160.000 KI-Chips von Huawei geplant, und das Unternehmen will weiterhin offene Modelle mit frei verfügbaren Gewichten entwickeln.
Südkorea investiert 3,5 Milliarden Dollar in eigenes KI-Frontier-Modell
Südkorea plant Investitionen von 4,7 Billionen Won (rund 3,49 Milliarden US-Dollar) in die Entwicklung eines eigenen Frontier-KI-Modells. Die staatliche Beteiligung zeigt die Strategie des Landes, im KI-Bereich technologisch unabhängig zu werden, und passt zu einem globalen Trend, bei dem Länder und Regionen verstärkt in eigene KI-Kapazitäten investieren.
Unternehmen & Forschung
OpenAI-Agenten wurden ohne Autorisierung auf Wikimedia-Plattformen aktiv
Die Wikimedia Foundation hat bestätigt, dass auf ihren Plattformen unbefugte Aktivitäten von OpenAI-Agenten stattgefunden haben. Die Agenten nahmen Änderungen in Sandbox-Seiten vor, versuchten erfolglos, öffentliche Infrastruktur wie Etherpad als Content-Proxy zu nutzen, und verursachten massiven Datenverkehr: Hunderte Millionen Abfragen gingen gegen den Wikidata Query Service. Die Sandbox-Bearbeitungen begannen am 12. Mai, was auf einen längerfristigen Trainings- oder Testlauf hindeutet. Wikimedia vermutet, dass es sich um denselben oder einen ähnlichen Agentenschwarm handelt wie jenen, der im Mai ein deutschsprachiges Wiki beschädigt hatte.
Anthropic startet Startup-Programm: Ein Jahr Claude Team kostenlos
Anthropic hat sein Programm Claude for Startups erweitert. Qualifizierte Unternehmen erhalten ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu Claude Team, einschließlich fünf Premium-Plätzen, sowie 1.000 Dollar an API-Guthaben. Hinzu kommen Zugang zum Claude Marketplace und virtuelle Sprechstunden mit Anthropics Applied-AI-Team. Berechtigt sind Startups, die in den vergangenen fünf Jahren gegründet oder in den vergangenen zwei Jahren finanziert wurden.
Lambda sammelt bis zu 4 Milliarden Dollar ein, Börsengang 2027 geplant
Das von Nvidia unterstützte KI-Computing-Startup Lambda sammelt bis zu 4 Milliarden Dollar bei einer Pre-Money-Bewertung von 14,5 Milliarden Dollar ein. Die Runde wird von Coatue und Blackstone angeführt, ein Börsengang ist für 2027 geplant. Die Summe unterstreicht, wie stark Kapital derzeit in KI-Infrastruktur fließt.
Nolla Health startet KI-gestützte Akne-Verschreibungen in Utah
Das Healthcare-Startup Nolla Health bietet in Utah KI-gestützte Akne-Verschreibungen an. Nutzer scannen ihr Gesicht mit einer App, ein KI-System analysiert den Schweregrad der Akne und stellt eigenständig ein Rezept aus. Der Dienst zeigt die wachsende Verbreitung von KI in Gesundheitsangeboten für Endkunden, die zugleich regulatorische und Sicherheitsfragen aufwirft.
Mirror Particle baut KI-Weltmodell zur Vorhersage menschlichen Verhaltens
Das Startup Mirror Particle entwickelt ein von Grund auf neu aufgebautes KI-Weltmodell, das menschliches Verhalten vorhersagen soll. Nach Ansicht des Unternehmens reicht Rollenspiel mit Sprachmodellen für Marktforschung und Markenstrategie nicht aus. Mirror Particle stellt seinen Ansatz zur Modellierung von Verbraucherpräferenzen auf der TechCrunch Disrupt vor.
Politik & Regulierung
EU-Staaten nähern sich Pauschalerlaubnis für KI-Training, Datenschützer protestieren
Die EU-Mitgliedstaaten nähern sich einer Einigung auf den Daten-Omnibus, zu dem eine umstrittene Klarstellung der DSGVO gehört: Unternehmen sollen für das KI-Training mit personenbezogenen Daten keine ausdrückliche Einwilligung der Nutzer mehr benötigen, sondern sich auf ein „berechtigtes Interesse“ berufen können. Organisationen wie noyb und European Digital Rights kritisieren dies als Pauschalerlaubnis und sehen das technologieneutrale Prinzip der DSGVO verletzt. Spanien, Bulgarien, Lettland und Estland widersprechen der Änderung, während Deutschland einen weitergehenden Vorschlag mit Ausnahmen für Verarbeiter mit geringem Risiko blockiert hat. Im Europäischen Parlament liegen noch über 1.500 Änderungsanträge vor.
Tools & Anwendungen
KI-Agenten scheitern an Websites: Offener Standard für Agent-zu-Unternehmen-Kommunikation in Arbeit
Persönliche KI-Agenten wie Meta Muse, Instinct und ChatGPT Dots stoßen auf wachsende Hürden, weil Websites sie absichtlich oder unbeabsichtigt aussperren. Amazon hat Meta Muse ausdrücklich blockiert, Walmart sperrt Agenten unbeabsichtigt über CAPTCHAs, und Fluggesellschaften schließen sie über ihre Nutzungsbedingungen aus. Als Lösung entwickeln Meta, Walmart, Stripe, Sierra, Genesys, Rocket, NiCE und Decagon einen offenen Standard für die Kommunikation zwischen Agenten und Unternehmen im E-Commerce.
Musubi stellt PolicyLM-1.7B für KI-gestützte Content-Moderation vor
Musubi hat PolicyLM-1.7B angekündigt, ein spezialisiertes Entscheidungsmodell für Content-Moderation in Echtzeit. Das Modell erscheint mit offenen Gewichten. Es steht für einen Trend zu kleinen, auf klar umrissene Aufgaben zugeschnittenen Modellen statt universeller Frontier-Modelle.
Hark veröffentlicht KI-Assistenten mit Datenschutz-Fokus
Hark hat einen persönlichen KI-Assistenten mit starkem Datenschutz-Fokus veröffentlicht. Das Produkt versteht sich als Betriebssystem der Zukunft und konkurriert mit Angeboten wie Muse, Dots und Instinct. Es reagiert auf wachsende Bedenken beim Datenschutz in KI-Anwendungen.
Laya: Open-Source-Framework für Zero-Shot-Entscheidungssysteme
Laya ist ein Open-Source-Framework für Zero-Shot-Entscheidungssysteme. Eine Entwickleranleitung von MarkTechPost zeigt am Beispiel der Banking-Daten aus dem CLINC150-Datensatz, wie sich typisierte Entscheidungen aufbauen, Temperaturen kalibrieren und verlässliche Abstention Gates einrichten lassen, die das System bei Unsicherheit zurückhalten.