Diabetes-News
Eine im Fleisch vorkommende Zuckerart ist mit einem höheren Typ-2-Diabetes-Risiko verbunden
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
In einer großen Beobachtungsstudie hing der Zucker Neu5Gc, der vor allem in Rind- und Lammfleisch vorkommt, mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes zusammen. Ausgewertet wurden Ernährungsdaten von 89.953 Erwachsenen aus der französischen NutriNet-Santé-Studie, im Mittel 42 Jahre alt und zu 79 Prozent Frauen; bei Studienbeginn hatte niemand Diabetes oder Krebs. Über einen medianen Beobachtungszeitraum von 7,2 Jahren wurden 966 neue Diabetesfälle erfasst. Teilnehmende mit der höchsten Aufnahme von Neu5Gc aus Fleisch hatten ein um 63 Prozent höheres Risiko als die mit der niedrigsten, in der zweithöchsten Gruppe lag es um 41 Prozent höher. Der Zusammenhang blieb nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Bewegung, Gesamternährung, Rauchen und Vorerkrankungen bestehen, wurde aber schwächer, als der Body-Mass-Index einbezogen wurde. Die Forschenden vermuten als Ursache eine dauerhafte Immunreaktion und chronische Entzündung, weil der Körper Neu5Gc nicht selbst bildet. Die Ergebnisse wurden auf dem Jahreskongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand vorgestellt und gelten als vorläufig.
Medizin & Forschung allgemein
Pilzvergiftungen: In Deutschland gibt es jährlich einige Hundert schwere Fälle
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: tagesspiegel.de
Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes gab es in den vergangenen zehn Jahren jährlich etwa 280 bis 680 stationäre Krankenhausbehandlungen wegen Pilzvergiftungen; Todesfälle mit dieser Diagnose lagen pro Jahr zwischen null und sieben. Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen zählte 2022 bis 2025 jeweils 10 bis 24 schwere Fälle und bis zu zwei Todesfälle. Rechnet man diese Zahlen auf Gesamtdeutschland hoch, ergeben sich 70 bis knapp 170 schwere Fälle pro Jahr, die in den Zentren beraten werden, und bis zu 14 Todesfälle; das wäre etwas mehr, als die Gesundheitsberichterstattung zeigt. Die Zahlen schwanken stark, in sogenannten Pilzjahren steigt das Risiko. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht außerdem von einer Dunkelziffer aus und baut ein zentrales Vergiftungsregister auf. Der Grüne Knollenblätterpilz wird immer wieder mit Wiesenchampignon oder Frauentäubling verwechselt und kann schon in geringen Mengen zu Leberversagen führen. Kinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet.
GKV-Chef verlangt Terminvergabe nach medizinischem Bedarf statt nach Versicherungsstatus
📅 2026-10-17 | 🔗 Quelle: tagesschau
Oliver Blatt, Verbandschef des GKV-Spitzenverbands, fordert, Arzttermine künftig nach medizinischem Bedarf zu vergeben und nicht danach, wie jemand versichert ist. Gegenüber den Funke-Medien nannte er die Benachteiligung gesetzlich Versicherter bei der Terminvergabe eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“. 75 Millionen gesetzlich Versicherte finanzierten den allergrößten Teil der ärztlichen Honorare. Den Begriff „Zwei-Klassen-Medizin“ lehnt Blatt ab: Im Krankenhaus und bei den meisten Ärzten würden gesetzlich Versicherte genauso gut behandelt wie Privatpatienten, die Ungleichbehandlung zeige sich vor allem bei den Wartezeiten. Ärzte sollten weiterhin Privatpatienten behandeln, sie aber nicht automatisch bevorzugen. Hintergrund ist die Debatte über das duale System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung, die Bundeskanzler Friedrich Merz im September angestoßen hat; er stellte Änderungen in Aussicht. Parallel will die Regierung mit der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung die Ausgaben im Gesundheitssystem bremsen.
Sojaextrakt LPC70 senkt im Mausversuch salzbedingten Bluthochdruck und mildert Gedächtnisprobleme
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende der Fujita Health University in Japan haben untersucht, wie LPC70, ein Lysolecithin aus Soja, bei Mäusen mit salzreicher Ernährung wirkt. Die Tiere entwickelten erhöhten Blutdruck und zeigten weniger soziales Verhalten sowie Schwierigkeiten, bereits gesehene Objekte wiederzuerkennen; Bewegung und angstähnliches Verhalten änderten sich dagegen kaum. Mit LPC70 im Futter sanken Blutdruck und diese Beeinträchtigungen teilweise, und die Tiere schnitten bei Tests zu sozialer Interaktion und Objekterkennung besser ab. In den Nieren erhöhte die salzreiche Kost zwei Bestandteile der Prostaglandin-Signalübertragung, COX-2 und den EP3-Rezeptor; LPC70 senkte diese Anstiege. Im präfrontalen Kortex verringerte viel Salz die Expression des DP1-Rezeptors, der entzündungshemmend wirkt; LPC70 stellte sie wieder her. Die Studie erschien im Mai 2026 online und im Juli 2026 im Band 197 von Neurochemistry International. Sie entstand in Kooperation mit dem Unternehmen Tsuji Oil Mills, das natürliche Lebensmittelzutaten entwickelt. Die Ergebnisse stammen aus Tierversuchen mit Mäusen.
Heidelbeerpulver verändert in einer kleinen Pilotstudie Darmbakterien-Gene, die Stimmung nicht signifikant
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
In einer kleinen Pilotstudie erhielten 18 körperlich inaktive Erwachsene ab 65 Jahren mit leichten depressiven Symptomen drei Monate lang täglich 48 Gramm Heidelbeerpulver, etwa zwei Tassen frischer Beeren, oder ein Placebopulver. Die depressiven Symptome sanken in der Heidelbeergruppe stärker und gleichmäßiger, der Unterschied zur Placebogruppe war aber nicht statistisch signifikant. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, die Zahl der Mikrobenarten und die kurzkettigen Fettsäuren blieben insgesamt unverändert. Innerhalb der Heidelbeergruppe veränderte sich jedoch die Häufigkeit von Genen für mehrere mikrobielle Enzyme, darunter ein Enzym, das an der Bildung von Gamma-Aminobuttersäure (GABA) beteiligt ist. Die Forschenden sehen darin nur Hinweise; ob diese Veränderungen für die Stimmung von Bedeutung sind, müssten größere Studien zeigen. Die Gruppen waren klein: 8 Teilnehmende im Placebo- und 10 in der Heidelbeergruppe. Veröffentlicht wurde die Studie im Journal of Nutrition, Health and Aging.
Drei Nervenbahnen hängen mit dauerhafter Besserung bei Hirnstimulation gegen therapieresistente Depression zusammen
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende der Icahn School of Medicine am Mount Sinai haben in der American Journal of Psychiatry (veröffentlicht am 1. Oktober) die bisher größte Gruppe von Patienten untersucht, die eine subkallosale cinguläre Tiefenhirnstimulation (SCC-DBS) gegen therapieresistente Depression erhalten hatten. Daten aus mehreren unabhängigen Kohorten, darunter die BROADEN-Studie und eine Gruppe der Universität Toronto, wurden mit Berechnungen der elektrischen Felder und Konnektivitätskarten des Gehirns verknüpft. Dauerhafte Besserung hing durchgängig damit zusammen, dass die Stimulation drei Bahnen der weißen Substanz erreichte: das Cingulum, den Forceps minor und die mediale Uncinatus-Faser beziehungsweise die ventrale Amygdalofugalbahn. Patienten, die nach zwei Jahren nicht angesprochen hatten, zeigten keine Stimulation der linken Cingulum-Bahn. Ob eine Verlagerung der Elektroden diese Bahn erreichen und die Symptome verbessern würde, haben die Forschenden nicht geprüft. Die Studie stützt damit die Platzierung der Elektroden anhand von Konnektivitätskarten, wie sie etwa in der randomisierten Abbott-TRANSCEND-Studie genutzt wird. Welche Patienten am ehesten profitieren, ist nach Angaben von Helen Mayberg noch offen.
Hautstammzellen verhalten sich bei Mäusen je nach Geschlecht unterschiedlich, Sexualhormone steuern das
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Weibliche Mäuse heilen Hautwunden schneller als männliche, und Forschende der Université libre de Bruxelles und der University of Cambridge haben dafür einen möglichen Grund gefunden. Über fünf Monate verfolgten sie Hautstammzellen lebender Mäuse durch die Haut hindurch mikroskopisch. Bei den Weibchen arbeiten Schwesterzellen, die sich aus einer Mutterzelle teilen, häufig synchron, bei den Männchen verhalten sie sich unabhängiger. Die Stammzellen durchlaufen außerdem eine Zwischenstufe, in der sie sich nur begrenzt oft teilen können, bevor sie ausreifen. Testosteron beschleunigt laut den Versuchen die Reifung und das Abwandern der Zellen aus der Stammzellschicht: Kastrierte Männchen verhielten sich wie Weibchen, nach Gabe von Dihydrotestosteron (DHT) kehrte das männliche Muster zurück. Bei Weibchen ohne Eierstöcke sank die Teilungsrate, und die Synchronisation verschwand fast vollständig; Estradiol kehrte den Rückgang der Teilungsrate um. Die Studie erschien in Nature. Die Forschenden sehen darin einen Ansatz, Behandlungen bei Wundheilung und Hauterkrankungen künftig stärker auf das Geschlecht abzustimmen.
Viele Süßstoffe bremsen im Laborversuch das Wachstum einzelner Darmbakterien
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forschende der University of Cambridge haben 39 handelsübliche Süßstoffe, künstliche ebenso wie natürliche kalorienarme, an 25 Darmbakterienarten getestet, wobei jede Art einzeln kultiviert wurde. Rund drei von vier Süßstoffen veränderten das Wachstum mindestens einer Art; einige verlangsamten es, bei anderen stoppte es ganz. Betroffen waren auch Arten, die mit einem gesunden Verdauungssystem in Verbindung gebracht werden. Verschiedene Süßstoffe wirkten auf unterschiedliche Bakterien, sie lassen sich also nicht pauschal als eine Gruppe behandeln. Besonders auffällig war die Kombination des Süßstoffs Isosteviol mit dem Antidepressivum Duloxetin: Sie unterdrückte zwei für Verdauung und Blutzuckerregulation wichtige Darmbakterien stark und verschob die Balance eines simulierten Darmmikrobioms. Die Studie erschien in Molecular Systems Biology. Die Versuche fanden im Labor statt, nicht am Menschen; ob die Effekte im Alltag eine Rolle spielen, ist offen.
Ein mit der Jugend verbundenes Protein hilft alternden Immunzellen des Gehirns bei der Müllbeseitigung (Mausstudie)
📅 2026-10-18 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forscher des Icahn School of Medicine am Mount Sinai haben das Protein TIMP2 als wichtigen Faktor für die Gesundheit der Immunzellen des Gehirns identifiziert, der sogenannten Mikroglia. Über die Studie berichtet das Fachjournal Nature Communications. Wurde TIMP2 bei Mäusen entfernt, zeigten die Mikroglia Merkmale, die mit Altern und neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden: Sie räumten Zellabfall schlechter weg, veränderten ihre Aktivierungsmarker und wiesen Anzeichen von Zellseneszenz auf, einem Zustand, der mit Alterung und Zellstress zusammenhängt. Die Forscher entfernten das Protein dafür im ganzen Körper oder gezielt in Mikroglia oder Nervenzellen. Wurde TIMP2 älteren Mäusen über das Blut zugeführt, konnten die Mikroglia Zellabfall besser beseitigen und zeigten weniger Marker für entzündliche Zustände. Das Team um Joseph M. Castellano schreibt, das Protein könne helfen, Funktionen wiederherzustellen, die im Alter nachlassen. Die Befunde stammen aus Versuchen mit Mäusen.
Ein Schaltkreis im Gehirn steuert die Wachstumshormon-Ausschüttung im Schlaf und beeinflusst, wann man aufwacht
📅 2026-10-17 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forscher der University of California, Berkeley haben den Schaltkreis im Gehirn identifiziert, der die Ausschüttung von Wachstumshormon während des Schlafs steuert. Die Studie erschien im Fachjournal Cell und wurde an Mäusen durchgeführt. Dabei zeichnete das Team die Nervenaktivität im Hypothalamus auf und stimulierte gezielt einzelne Nervenzellen mit Licht. Beteiligt sind Neuronen, die das wachstumsfördernde Hormon GHRH bilden, sowie zwei Typen von Neuronen, die Somatostatin bilden und die Ausschüttung hemmen. Außerdem entdeckte das Team einen bisher unbekannten Rückkopplungsweg: Wachstumshormon wirkt auf den Locus coeruleus im Hirnstamm, eine Region, die mit Wachheit und Aufmerksamkeit zusammenhängt, und beeinflusst so das Aufwachen. Laut Studienautor Xinlu Ding könnte der Schaltkreis langfristig Grundlage für neue Behandlungen sein, etwa bei Schlafstörungen, die mit Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder mit Parkinson und Alzheimer zusammenhängen. Wachstumshormon wird laut Artikel im Tiefschlaf ausgeschüttet und unterstützt unter anderem Muskeln, Knochen und den Fettstoffwechsel.
Experimentelles Mittel DT-109 bessert bei Tieren eine schwere Fettleber, indem es den Darm repariert
📅 2026-10-17 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Ein am Michigan Medicine entwickelter Wirkstoff namens DT-109 hat in Tierversuchen eine schwere Form der Fettleber (MASH) rückgängig gemacht. Die Studie erschien im Journal of Clinical Investigation. Der Wirkstoff ist ein aus drei Aminosäuren bestehendes Tripeptid und wirkt vor allem im Darm: Er verringert schädliche Darmbakterien, darunter Clostridium perfringens, der im Darm Ammoniak bildet, und stärkt die Darmschleimhaut. So gelangen weniger schädliche mikrobielle Stoffe in die Leber. Bei Mäusen und bei nichtmenschlichen Primaten sanken die Darmbakterien und die Ammoniakbildung, in der Leber ging die Entzündung zurück. Bei den Affen fielen die Ergebnisse laut Forschern besonders ermutigend aus, weil deren Leber und Darmflora denen des Menschen ähnlicher sind als die der Mäuse. Laut Artikel betrifft MASH rund 7 Prozent der Weltbevölkerung und kann zu Zirrhose, Leberkrebs und Leberversagen führen, während die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt sind. DT-109 ist bislang ein experimentelles Mittel.
Schutzzellen des Gehirns könnten im Alter zum kognitiven Abbau beitragen
📅 2026-10-17 | 🔗 Quelle: sciencedaily.com
Forscher der University of Edinburgh und des UK Dementia Research Institute haben Oligodendrozyten als möglichen Faktor für nachlassende Gedächtnis- und Denkleistungen im Alter identifiziert. Die Studie erschien im Fachjournal Nature Medicine. Grundlage war die Lothian Birth Cohort 1936, in der Menschen seit ihrer Kindheit untersucht werden; von 1.091 Teilnehmenden absolvierten 866 nach dem 70. Lebensjahr weitere kognitive Tests, und fast alle zeigten einen Rückgang, allerdings unterschiedlich stark. Bei einem Teil der Teilnehmenden untersuchte das Team Hirngewebe nach dem Tod: Wer stärker abgebaut hatte, besaß weniger große Nervenfasern und zu viel abnormales Myelin. Diese Menschen hatten auch weniger des Schutzproteins NRF2 in ihren Oligodendrozyten. Bei Mäusen, bei denen NRF2 in diesen Zellen reduziert wurde, bildete sich überschüssiges Myelin, große Nervenfasern gingen verloren, und die Tiere zeigten im Alter geringere kognitive Verbesserungen. Der NRF2-Weg ist bereits Angriffspunkt von Medikamenten, etwa eines Mittels gegen Multiple Sklerose. Die Autoren halten es für möglich, dass solche Wirkstoffe langfristig auch gegen diese Funktionsstörung eingesetzt werden könnten.