Medizin & Forschung allgemein
Expertengruppe der IARC bestätigt Nutzen des Lungenkrebsscreenings mit Niedrigdosis-CT
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Eine 23-köpfige Expertengruppe der International Agency for Research on Cancer (IARC) hat die Evidenz zu Nutzen und Risiken von Lungenkrebsscreenings neu bewertet. Sie bestätigt den Effekt auf die lungenkrebsbedingte Sterblichkeit und auf die Zahl fortgeschrittener Lungenkarzinome in den Stadien III oder IV. Berücksichtigt wurden experimentelle und beobachtende epidemiologische Studien. Die Bewertung ist im „New England Journal of Medicine“ erschienen (2026).
Enfortumab Vedotin wirkt bei Frauen mit Urothelkarzinom möglicherweise länger als bei Männern
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Frauen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom sind unter einer Therapie mit Enfortumab Vedotin (EV) offenbar länger progressionsfrei als Männer. Beim Gesamtüberleben gab es dagegen keinen Unterschied. Das berichtete Annemarie Uhlig vom Universitätsklinikum Tübingen auf dem 78. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), Abstract V43-09. Die Studie ist außerdem in der Fachzeitschrift „Clinical Genitourinary Cancer“ veröffentlicht worden (2026).
Digitaler Fragebogen hilft bei der Früherkennung einer Psoriasisarthritis
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Forschende um Anastasia Fleyder vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben ein digitales Instrument entwickelt, mit dem Menschen mit Psoriasis früh Symptome einer Psoriasisarthritis erkennen können. Der Fragebogen trägt den Namen eGEPARD (German Psoriasis Arthritis Diagnostic Questionnaire). Fleyder berichtete darüber auf dem diesjährigen Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) in Wien, Abstract 1066. Durch den Fragebogen kam es auch zu Arztkontakten.
KI-Chatbot vor dem Hausarzttermin: In einer Praxisstudie musste kein Gespräch abgebrochen werden
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Patienten führten vor einem dringenden Termin in der Primärversorgung Gespräche mit einem diagnostischen KI-Chatbot. Von fast 100 dieser Gespräche musste keines aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Das ergibt eine Real-World-Studie, die im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht wurde (2026). Die Autoren sehen KI-Systeme angesichts knapper Kapazitäten in der Primärversorgung und einer alternden, multimorbiden Bevölkerung als vielversprechend. Offen sei aber noch, ob die von der KI gelieferten Informationen medizinisch aussagekräftig und hilfreich sind.
Befragung: Pharmaforschung in Deutschland stagniert
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Trotz gesetzlicher Maßnahmen der vergangenen Jahre stagniert die pharmazeutische Forschung und Entwicklung in Deutschland. Das zeigt eine Auswertung im Auftrag von Fraunhofer Gesundheit und dem Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa). Die Beratungsagentur Vintura befragte 71 Fachleute aus öffentlichen und privaten Einrichtungen, zum dritten Mal seit 2024. Die Attraktivität des Standorts sank auf 5,65 von 10 Punkten, nach 6,03 vor zwei Jahren. Die Zeit bis zur Genehmigung klinischer Studien verkürzte sich um 19 Tage. Die Zahl der Arzneimittel, die die US-Behörde FDA als besonders relevant für die Versorgung einstuft, in der EU aber nicht zugelassen sind, stieg von 36 im Jahr 2023 auf 41 im Jahr 2025. Ulrike Köhl, stellvertretende Vorsitzende des Fraunhofer-Verbunds Gesundheit, sagte: „Aber dann würgen Bürokratie, Finanzierungslücken und Kleinstaaterei den Wertschöpfungsmotor ab.“
Rheumatologie: KI erstellt verständlichere Arztbriefe
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Entlassungsbriefe für rheumatologische Patienten lassen sich mit einem Large Language Model (LLM) laienverständlich formulieren. Das berichtete eine Arbeitsgruppe beim Deutschen Rheumatologiekongress 2026 in Leipzig. Grundlage war eine Pilotstudie mit 30 Betroffenen. Die Patienten nahmen die KI-Briefe sehr gut an, und die Verständlichkeit könnte gegenüber herkömmlichen Arztbriefen steigen. Die Ergebnisse sind im Abstractband unter der Nummer DR.09 erschienen.
Chronischer Stress schädigt das Herz über anhaltende Entzündungsreaktionen
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Ein ungesunder Lebensstil und sozioökonomische Stressoren fördern dauerhafte Entzündungsreaktionen im Körper. Auf Dauer schädigt das den Herzmuskel und begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Genetische Faktoren bestimmen mit, wie stark einzelne Menschen auf diese Stressoren reagieren. Eine aktuelle Studie untersuchte diese Zusammenhänge mit Daten der UK Biobank. Sie erschien im „European Journal of Preventive Cardiology“ (2026).
Weltärztebund verabschiedet Deklaration zum Schutz der medizinischen Neutralität
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Generalversammlung des Weltärztebunds (WMA) hat in Rotterdam vom 7. bis 10. Oktober 2026 die „WMA-Deklaration von Rotterdam zum Schutz der medizinischen Neutralität“ verabschiedet. Sie verpflichtet Ärzte und anderes Gesundheitspersonal, Patienten ausschließlich nach medizinischem Bedarf zu behandeln. Staaten und Konfliktparteien sollen eine sichere, unabhängige Gesundheitsversorgung gewährleisten. Angriffe, Einschüchterung und willkürliche Inhaftierung von Gesundheitsfachkräften werden verurteilt. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte: „Die gezielte Gewalt gegen medizinisches Fachpersonal und Gesundheitseinrichtungen nimmt weltweit in besorgniserregendem Ausmaß zu.“ Außerdem verabschiedete die Versammlung Stellungnahmen unter anderem zum Umgang mit falschen Gesundheitsinformationen und zum Impfplan für Kinder.
Kaiserschnitt bei extremen Frühgeburten: Der nötige Längsschnitt in der Gebärmutter erhöht die Risiken für die Mütter
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Weil Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit heute bessere Überlebenschancen haben, werden ihre Geburten immer häufiger per Kaiserschnitt vorgenommen. Eine aktuelle Studie im JAMA Network Open (2026) weist nun auf Risiken für die Mütter hin. Da die Gebärmutter bei einer Frühgeburt noch relativ klein ist, wird der Schnitt in der Regel als Längsschnitt in der Gebärmutter gesetzt. Diese vertikale Uterotomie ist mit stärkerem Blutverlust und häufigeren Infektionen nach der Operation verbunden.
Internationales Konsortium nennt 17 miteinander verknüpfte Gesundheitsbedrohungen mit größtem Katastrophenpotenzial
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Ein internationales Konsortium hat 17 miteinander verknüpfte Bedrohungen identifiziert, die im Lauf des Jahrhunderts katastrophale Auswirkungen auf die globale Gesundheit haben könnten. Die Spanne reicht von Adipositas und Klimakrise bis zu Rauchen und Pandemien. Bei nuklearen Konflikten und dem böswilligen Einsatz von Künstlicher Intelligenz sieht die „Lancet Commission on 21st Century Global Threats to Health“ sogar das Potenzial, dass sie die Menschheit auslöschen könnten.
Suchtbeauftragte wollen die Anschlussbehandlung suchtkranker Minderjähriger verbessern
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Die Sucht- und Drogenbeauftragten Hendrik Streeck und Stefan Schwartze, der Patientenbeauftragte, laden am 12. und 13. Oktober zu einem Runden Tisch ein, um junge Suchtkranke nach einem Entzug nahtlos weiterzubehandeln. Streeck sagte, ein erfolgreicher Entzug dürfe nicht an einer fehlenden Anschlussbehandlung scheitern, denn das Rückfallrisiko sei in den Wochen danach besonders hoch. Den Angaben zufolge wurden 2024 bundesweit rund 1.600 qualifizierte Entzugsbehandlungen bei Minderjährigen abgerechnet, und rund 1.100 Jugendliche benötigen jährlich eine anschließende Rehabilitation. 2025 bewilligte die Deutsche Rentenversicherung jedoch nur rund 260 solche Maßnahmen, von denen knapp 180 tatsächlich angetreten wurden. Wie groß die Versorgungslücke ist, schätzen Kostenträger und Fachleute unterschiedlich ein. Zu den Zielen des Runden Tischs gehören eine transparente Erfassung geeigneter Therapieplätze, eine bedarfsgerechte Finanzierung und eine verlässliche Begleitung bis zur Nachsorge.
Studie mit 1.285 Erwachsenen: Fast jede dritte Person nutzt das Smartphone problematisch
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Im Forschungsprojekt KiQuNu, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, wurde ein KI-basiertes Screeningverfahren entwickelt, das problematische Smartphone-Nutzung über die Qualität der Nutzung erfassen soll. Grundlage war eine Datenspende-App für Android, mit der 1.285 Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren zwei Wochen lang Nutzungsdaten und Sensordaten lieferten; diese wurden mit validierten Fragebögen verknüpft. Laut Boris Gauss vom Unternehmen Detoxi Health, das die Studie durchführte, zeigten 31 Prozent der Teilnehmenden eine problematische oder suchtartige Nutzung. Bei den 18- bis 29-Jährigen war mehr als jede zweite Person betroffen, bei den 30- bis 39-Jährigen rund 40 Prozent. Geschlechtsunterschiede fanden sich nicht. Die gemessene Nutzungszeit lag im Median bei 4,5 Stunden täglich, mit einem Schwerpunkt am Abend. Die Psychologin Julia Brailovskaia von der Ruhr-Universität Bochum verwies auf frühere Experimente: Schon eine Begrenzung auf eine Stunde Nutzung pro Tag senkte in einer Studie von 2020 die emotionale Bindung an das Gerät. In einer Studie von 2024 wirkte die Kombination aus einer Stunde weniger Nutzung und 30 Minuten mehr körperlicher Aktivität am stärksten.
Cochrane-Metaanalyse: Bewegungsbasierte Reha senkt bei koronarer Herzkrankheit Klinikeinweisungen und Herzinfarktrisiko
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Eine Metaanalyse in der Cochrane Database of Systematic Reviews (2026) kommt zu dem Ergebnis, dass eine bewegungsbasierte Rehabilitation bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit die Krankenhauseinweisungen um ein Drittel senkt. Das Herzinfarktrisiko sinkt demnach um mehr als ein Viertel. Die Vorteile bleiben nach Angaben der Autorinnen und Autoren langfristig erhalten. Die Analyse bestätigt zudem erneut die Sicherheit des Koronarsports.
Reanimationsregister: Mehr als jeder zweite Notfalleinsatz im Krankenhaus findet auf einer Normalstation statt
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Mehr als jeder zweite Einsatz eines innerklinischen Notfallteams (54,5 Prozent) findet auf einer Normalstation statt. Das geht aus dem Jahresbericht „Innerklinisches Notfallmanagement 2025“ des Deutschen Reanimationsregisters hervor, der unter der Trägerschaft der DGAI steht. Ausgewertet wurden 11.103 Einsätze aus 158 Kliniken, davon 6.135 mit Reanimation und 4.837 ohne Reanimation, aber mit akuter Notfallsituation. Erstmals bezieht der Bericht letztere Einsätze systematisch ein. Weil auf Normalstationen keine dauerhafte Patientenüberwachung stattfindet, halten die Experten standardisierte Frühwarnsysteme für hilfreich und sagen, sie sollten verpflichtend genutzt werden. Gräsner betonte, entscheidend sei eine schnelle und qualifizierte Reaktion auf eine Verschlechterung.
Landkreis Görlitz stellt erste PSNV-B-Staffel Sachsens in Dienst
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Der Landkreis Görlitz hat mit einer Gründungsveranstaltung die neue Katastrophenschutz-Einheit für die Psychosoziale Notfallversorgung Betroffener (PSNV-B) in Dienst gestellt. Nach Angaben des Landratsamts ist es die erste sogenannte PSNV-B-Staffel in Sachsen. Vorgestellt wurde sie in der Feuerwache im Kodersdorfer Ortsteil Wiesa. Die Einheit unterstützt Menschen nach Unglücksfällen, Katastrophen und anderen besonders belastenden Ereignissen. Sie soll Betroffenen in akuten Krisen zur Seite stehen und bei Bedarf den Kontakt zu Familie und Freunden sowie zu mittel- und längerfristigen Hilfsangeboten vermitteln.
WHO: Nach dem Lungenpest-Verdacht in Russland fehlt weiterhin eine bestätigte Diagnose
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Nach Berichten über den mutmaßlichen Lungenpesttod einer Laborbeschäftigten in Sibirien hat die WHO noch keine bestätigte Diagnose. Die Frau hatte mit Pesterregern gearbeitet, Russland gab als Todesursache eine Lungenentzündung an. Die russischen Behörden erklärten laut WHO, im Verwaltungsgebiet Irkutsk sei kein Pestfall registriert worden. Proben von Kontaktpersonen wiesen keine Hochrisikoerreger wie das Pestbakterium nach, und es habe weder einen Biosicherheitsvorfall noch einen anderen schweren Fall gegeben. Alle Kontaktpersonen blieben symptomlos. Die WHO sieht daher keinen Hinweis auf Ansteckungen, spricht aber von einer „größeren Unsicherheit“ wegen des Fehlens einer bestätigten Diagnose und beobachtet die Lage weiter.
Unions-Agrarminister lehnen Zuckersteuer ab und schreiben an Merz
📅 2026-10-12 | 🔗 Quelle: aerzteblatt.de
Neun Agrar- und Verbraucherschutzminister der Union aus den Bundesländern haben in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die geplante Zuckersteuer abgelehnt. Sie verweisen auf den Koalitionsvertrag, der beim Thema „vor allem auf Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung“ setze. Eine Zuckersteuer setze auf staatliche Lenkung und verteuere bestimmte Lebensmittel unnötig; Ernährungsbildung, Aufklärung und Innovation seien der richtige Weg zur Zuckerreduktion. Außerdem sei ein Eingriff in den Zuckermarkt angesichts steigender Kosten für Dünger und Diesel für die Landwirtschaft nicht vermittelbar. Das Kanzleramt hatte den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) Anfang Oktober vorerst gestoppt, weil er laut Regierungskreisen in dieser Form nicht mehrheitsfähig sei. Die Bild berichtet von einer angeblichen Einigung in der Koalition: Die Abgabe solle zum 1. Juli 2027 in Kraft treten, eine Freigrenze ab 70.000 Litern Jahresproduktion soll kleinere Hersteller schützen, während Großkonzerne voll betroffen wären. Die Steuer soll sich nach dem Zuckergehalt der Getränke richten und bei dem zweistufigen Modell der GKV-Expertenkommission bleiben. Verbraucherorganisationen und Ärzteverbände setzen sich wegen ernährungsbedingter Krankheiten für die Abgabe ein, in zahlreichen Ländern gibt es sie bereits.