Nutzer von GLP-1-Rezeptoragonisten (wie Semaglutid und Tirzepatid) haben unter Vollnarkose ein elffach erhöhtes Risiko für Rückfluss und Aspiration von Mageninhalt. Dies zeigt eine britische Studie, die in der Fachzeitschrift Anaesthesia veröffentlicht wurde (2026; DOI: 10.1111/anae.70380). Obwohl die relative Erhöhung beträchtlich ist, bleibt das Ausgangsrisiko relativ gering. Die Erkenntnisse sind relevant für Diabetiker unter GLP-1-RA-Therapie und für Patienten mit Adipositas, die diese Medikamente nehmen, falls anästhesiologische Eingriffe anstehen.
Fachleute empfehlen systematisches Screening von Kindern auf Typ-1-Diabetes
Eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung von Anette-Gabriele Ziegler (Institut für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich) empfiehlt ein bevölkerungsweites Screening auf Inselautoantikörper (IAb) zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern. Dies könnte die Krankheit bereits in frühen Stadien erkennen und den frühzeitigen Einsatz krankheitsmodifizierender Therapien ermöglichen, um den Krankheitsverlauf zu mildern. Jährlich erkranken etwa 4.000 Kinder und Jugendliche neu an dieser Autoimmunerkrankung. Das Screening bietet neue Perspektiven für Prävention, Forschung und Versorgung. Die Empfehlungen wurden im Fachmagazin Diabetologia 2026 veröffentlicht.
Rotes Fleisch erhöht Typ-2-Diabetes-Risiko durch Neu5Gc um 63 Prozent
Die französische NutriNet-Santé-Studie mit knapp 90.000 Teilnehmern verfolgte über 7,2 Jahre die Auswirkungen von Neu5Gc, einer spezifischen Sialinsäureverbindung aus rotem Fleisch. Bei höchstem Konsum zeigte sich ein 63 Prozent erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko, bei zweithöchstem Konsum 41 Prozent höher. Die Werte beziehen sich auf alle Nahrungsquellen mit durchschnittlich 37 Prozent Unterschied, hauptsächlich aus Fleisch; Milchprodukte zeigten keinen signifikanten Zusammenhang. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Obergrenze von höchstens 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche. Wichtig: Die Daten waren noch nicht peer-reviewt, und der biologische Mechanismus bleibt hypothetisch.
Medizin & Forschung allgemein
Nobelpreis für Medizin 2026 geht an Optogenetik-Forscher
Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 würdigt die Entdeckung lichtgesteuerter Ionenkanäle und wird an drei Forscher verliehen: Peter Hegemann (Humboldt-Universität Berlin) und Georg Nagel (Universität Würzburg) identifizierten das Channelrhodopsin-Protein in einer Grünalge, das sich bei blauem Licht öffnet und elektrische Impulse auslöst. Karl Deisseroth (Stanford University) übertrug diese Erkenntnis auf Nervenzellen und machte daraus einen praktisch anwendbaren Schalter. Die Optogenetik ermöglicht es Forschern, neuronale Schaltkreise zu identifizieren, die bestimmten Erinnerungen, Gefühlen und Verhaltensweisen zugrunde liegen. Derzeit laufen sechs klinische Programme zur optogenetischen Behandlung von Erblindung durch Netzhautdegeneration, und die Technologie ermöglicht präzisere Stimulation des Hörnervs bei Cochlea-Implantaten.
Uniklinik Köln gründet neues Centrum für Prävention
Die Uniklinik Köln hat am 5. Oktober 2026 ein neues Centrum für Prävention gegründet, das universitäre Forschung direkt in medizinische Versorgung umsetzt. Die Einrichtung bündelt Expertise von acht spezialisierten Bereichen: Kinder- und Jugendmedizin, Geburtsmedizin, Medizinische Psychologie, Klinische Infektiologie, Allgemeinmedizin, Familiäre Tumorerkrankungen, Klinik II für Innere Medizin und Neurologie sowie das CECAD-Exzellenzcluster für Translationale Forschung. Der Vorstandsvorsitzende betont: „Spitzenmedizin muss ansetzen, bevor Erkrankungen überhaupt entstehen“ Das Centrum soll wissenschaftliche Erkenntnisse ohne Zeitverzug in praktische Krankenversorgung überführen und damit Präventionsmedizin zukunftsorientiert gestalten.