Der Dreifachagonist Retatrutid hat in der Phase-3-Studie TRIUMPH-2 bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes bei der höchsten getesteten Dosierung zu einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von 19 Prozent geführt. Das Medikament wirkt an Rezeptoren für drei Hormone zugleich: GIP (glucose-dependent insulinotropic peptide), GLP-1 (glucagon-like peptide-1) und Glucagon. Die Ergebnisse wurden zeitgleich im Fachjournal The Lancet veröffentlicht. Die Forscher weisen darauf hin, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes unter den bisherigen Inkretinmittel-basierten Adipositastherapien in der Regel weniger Gewicht verlieren als Menschen ohne Diabetes — der neue Dreifachagonist scheint diese Lücke zu verringern.
DDG bewertet Nutzen und Risiken eines bevölkerungsweiten Typ-1-Diabetes-Screenings
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat in einer neuen Stellungnahme Nutzen und Risiken eines flächendeckenden Screenings auf Typ-1-Diabetes mittels Inselautoantikörper-Tests bewertet. Die Fr1da-Studie zeigte, dass bei etwa 0,30 Prozent von 220.476 gescreenten Kindern ein frühes Diabetes-Stadium vorlag. Ein strukturiertes Versorgungsprogramm könnte der Stellungnahme zufolge den Anteil gefährlicher diabetischer Ketoazidosen bei Diagnose von derzeit 20 bis 25 Prozent auf maximal 5 Prozent senken. Dennoch sieht die DDG aktuell keine ausreichende Grundlage für ein bundesweites Screening-Angebot: Es fehlten standardisierte Testverfahren und Langzeitdaten zur Kosteneffektivität, zudem gebe es ethische Bedenken im Umgang mit dem frühen prädiktiven Wissen. Eine S2e-Leitlinie soll die vorliegende Evidenz nun systematisch auswerten.
Medizin & Forschung allgemein
Leopoldina fordert bessere Versorgung für 1,5 Millionen Menschen mit Long COVID und ME/CFS
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat eine Stellungnahme zur Lage von Patienten mit Long COVID und myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) veröffentlicht. Ihr zufolge leben in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen mit diesen Erkrankungen, ein Teil davon stark beeinträchtigt und pflegebedürftig. Obwohl bereits vor drei Jahren entsprechende Richtlinien erarbeitet wurden, werden diese Vorgaben bislang kaum umgesetzt. Die Leopoldina bemängelt insbesondere zu wenige spezialisierte Ambulanzen an Universitätskliniken und einen Mangel an geschultem Personal. Sie fordert vier Maßnahmenbereiche: eine bessere Versorgung, mehr Forschung zu Krankheitsursachen und Therapie, eine bessere Dateninfrastruktur sowie Prävention.
Sindbis-Virus: Erster Nachweis einer lokalen Infektion in Deutschland
Das Robert Koch-Institut meldet den ersten in Deutschland erworbenen Fall einer Sindbis-Virus-Erkrankung. Betroffen ist ein 60-jähriger Mann aus Baden-Württemberg. Das Sindbis-Virus wird durch Mückenstiche übertragen. Zwar war das Virus bereits zuvor bei Blutspendern in Deutschland nachgewiesen worden, doch handelt es sich nun um die erste bestätigte symptomatische Infektion, die sich tatsächlich im Land zugetragen hat. Das RKI weist darauf hin, dass angesichts bekannter Nachweise des Virus in Mücken und Wildvögeln künftig mit weiteren menschlichen Fällen zu rechnen ist, und ruft Ärzte dazu auf, auf entsprechende Symptome zu achten.
CAR-T-Zelltherapie: Biomarker zur Vorhersage von Zytokinfreisetzungssyndrom bei Autoimmunerkrankungen
Forscher am Uniklinikum Erlangen haben Biomarker identifiziert, mit denen sich das Risiko eines Zytokinfreisetzungssyndroms (CRS) bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen vorhersagen lässt, die eine CAR-T-Zelltherapie erhalten. Das Team um Shirley Chiu Wai Chan und Melanie Hagen fand heraus, dass höhere B-Zell-Zahlen zu Therapiebeginn sowie eine ausgeprägtere systemische Entzündung mit der Entwicklung eines CRS zusammenhängen. CAR-T-Zellen eliminieren B-Zellen und können dadurch krankheitstreibende Prozesse bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen unterbrechen, allerdings ist das CRS eine potenziell ernste Nebenwirkung dieser B-Zell-Depletion und der damit verbundenen Zytokinfreisetzung. Die gefundenen Biomarker könnten Ärzten künftig helfen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und Überwachung sowie Präventionsmaßnahmen entsprechend anzupassen.